Gestern oder vorgestern muss es gewesen sein, als ich plötzlich den unbändigen Wunsch verspürte, meine Wohnung aufzuräumen.
Eigentlich muss ich präzisieren: Ich wollte gar nicht meine Wohnung aufräumen. Ich dachte: Du solltest dies und jenes aufheben, schließlich könnte es ja eines schönen Tages nützlich sein. Du würdest etwas brauchen, sagen wir, ein altes Geschenkband mitsamt Schleife, und anstatt zum Kaufhaus laufen zu müssen und eines zu besorgen, würdest du einfach zum Schrank gehen und es mit Gewinnerlächeln hervorholen...
Doch halt, dachte ich. So geht das los mit dem Messie-Dasein: Aus Angst davor, nicht alles verfügbar zu haben, sammelt man immer mehr an, bis man an seinem eigenen Sicherheitsbedürfnis erstickt.
Außerdem bin ich auf dem Sprung, und da brauch ich keinen Ballast, der meine Bewegungsfreiheit einschränkt...
Also doch in die Freiheit stürzen und einen Haufen Ballast abwerfen. Man glaubt gar nicht, was man alles in sechs Semestern geisteswissenschaftlichem Studium an Papier ansammelt. Kiloweise habe ich sortiert, gebündelt, neu sortiert, neu gebündelt, um dann die Bündel fein säuberlich wegzuschmeißen. Zwischendurch überkam mich die Angst: Lass das lieber noch hier, vielleicht brauchst du es noch. Manchmal gewann das Bedürfnis nach Sicherheit, manchmal das nach Freiheit. Meist gewann die Freiheit.
Nach Stunden war ich endlich fertig. Es hat mich einen Abend gekostet, an dem ich an Seminararbeiten hätte schreiben müssen. Aber die Entsorgung sorgte tatsächlich für Ent-Sorgung und war wesentlich befriedigender als das Bearbeiten einer Tastatur.
Ich empfehle das jedem wärmstens. Demnächst werde ich auch meine Festplatte ausmisten. Mir erscheint das Problem des digitalen Messies als ähnlich dräuend.
Freitag, 11. Juli 2008
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